Über mich

Zwei Nächte im Hotel waren bequem, das mitgeführte Gepäck ist wieder trocken. Heute führt mich mein Weg nach Aberdeen, Golf steht nur im Vorbeirollen auf dem Programm. Das ist in dem einen Fall durchaus bedauerlich und in dem anderen völlig fraglos.

Ich wurde wach von der Betriebsamkeit auf dem kleinen Marktplatz vor dem Hotel. Es wurden mit den üblichen Geräuschen, die eine solche Tätigkeit nun mal mit sich bringt, Marktstände aufgebaut und mit Leben gefüllt. Ich drehte mich leidlich genervt noch mal um und schreckte abrupt wieder hoch. Ich erinnerte mich plötzlich an ein lange zurückliegendes Ereignis, bei dem mein damaliges Auto, Parken über Nacht, ein lediglich an einem Tag in der Woche stattfindender Markt und ein Abschleppwagen die Hauptrollen spielten und das in kolossaler Verwirrung ablief. Ich vergewisserte mich rasch dessen, das mein vor dem Hotel abgeschlossenes Rad dem Aufbau des Marktes nicht zu sehr im Wege stand und drehte mich dann leidlich genervt, aber diesmal beruhigt wieder um.

Die doch immerhin sechs Taschen und zwei Golfschäfte durch das Hotel nach unten zu transportieren gestaltete sich dank des Fahrstuhls erstaunlich handlich und dass ich das Gepäck durch eine größere Ansammlung jugendlicher Dudelsackspieler bugsieren musste, zahlte irgendwie deutlich auf das Originalitätskonto ein. Während ich mein LKF belud, machte sich die karierte Gruppe dann auch gerade daran, mir -und vermutlich auch allen andern, die dort standen- ein Ständchen zu pfeifen. Eine nette Kulisse.

Die Strecke an sich war heute recht entspannt zu absolvieren. Relativ milde Erstreckung sowohl in der Höhe, als auch in der Länge sowie entspannte Wetterbedingungen sorgten dafür, dass dieser Tag eher im unteren Drittel der Spektakulärskala dieser Reise rangierte. Aber immerhin passierte ich zwei Golfplätze, für die so oder so eher das Gegenteil gilt. Nummer 1: Cruden Bay ist ein Juwel von einem Golfplatz. Zwar geht auch dieser Platz in den letzten Jahren den Weg, den scheinbar alle Plätze hier seit Jahren gehen: Die Preise für’s Spielen schießen regelrecht nach oben. Wenn ich mich recht erinnere, dann habe ich hier vor acht, neun Jahren noch unter 70 Pfund für ein Tagesticket bezahlt, vor drei Jahren (damals schrieb ich HIER darüber) hat mich die Runde 90 Pfund gekostet und mittlerweile liegt sie bereits bei 115 Pfund und 150 für das Tagesticket. Das ist schon eine beachtliche Entwicklung. Ich bin nicht sicher, ob das perspektivisch gut gehen kann und habe den Eindruck, dass insbesondere in dieser Ecke Schottlands gerade eine Marktanpassung an die finanziell völlig schmerzfreien US-amerikanischen Touristen, die für Nummer 2 anreisen, geschieht. Bei meiner Reise vor drei Jahren erzählte man mir im Clubhaus noch ausführlich davon, wie sehr durch diesen Platz die Preise in der Gegend nach oben verdorben worden seien. Man kann sich dafür aber völlig sicher sein, dass man, wenn man bereit war, das Geld auf den Tresen im Pro-Shop zu legen, die Runde nie mehr vergisst. Das ist wirklich ein Platz, der so viel Eigenständigkeit und Originalität aufweist, dass er auch für drei Plätze reichen würde. Absolut isolierte Bahnen, getrennt durch hohe Dünen, erhöhte Grüns, versenkte Grüns, Abschläge von hoch oben oder ein Dogleg Par 3: Einfach ein riesiger Abenteuerspielplatz, der Spaß garantiert. Heute war ich einfach nicht in der Stimmung, hier zu spielen, ich hätte mir die Erinnerung recht wahrscheinlich verdorben. Verdorben hat – wie ich vermute und wie mir bei meiner letzten Reise hierher mal im Clubhaus von Cruden Bay erzählt wurde – auch der Platz Nummer 2 die Gegend: Der Neubau des Platzes durch den Erfinder der täglichen Twitterregierungserklärung. Vermutlich und nach allem, was man so lesen kann, ist dieser Platz grundsätzlich unter golfarchitektonischer Sicht wohl recht hübsch geworden. Aber generell bin ich persönlich der Meinung, dass Schottland keine neuen Golfplätze benötigt, egal, ob es nun Kingsbarnes, Castle Stuart oder eben das Trump-Ding hier ist, egal, wie schön die dann werden, denn sie werden ewig brauchen, um die Ausstrahlung von St. Andrews, Dornoch und North Berwick und so weiter zu bekommen und es wird nicht wirklich ein akuter Mangel behoben. Und dass es dann auch noch ausgerechnet dieser historische Scherz eines Präsidenten ist, der hier die Gegend und seine Bewohner umgegraben hat, macht es nur noch unmöglicher, diesen Platz zu akzeptieren. Ein wohlfeile und mich leicht beschämende Freude überkommt mich, als ich die vieldiskutierten Windräder sehe, die die Aussicht auf dem Platz dem trumpschen Willen zum Trotz verschandeln. Hier ist offensichtlich mal wieder kein guter Deal gelungen.

Der hochgeschätzte Golfblog spieltgolf.de hat dieser Tage im übrigen hier einen anderen Platz aus dem trumpschen Portfolio besprochen, samt Diskussion des Für und Wider. Ich bin anderer Meinung, aber dafür sind Meinungen ja da.

Na, jedenfalls kam ich relativ entspannt am Nachmittag in Aberdeen an. Die letzten Kilometer erinnerten mich ein wenig an den Stress rund um Inverness, aber immerhin konnte ich die Fahrt direkt auf der zweispurigen Straße vermeiden. Sobald ich das Stadtgebiet erreicht hatte, fand ich dann aber relativ gut gestaltete Radwege vor und der Weg zu meinem B&B, das gerade mal 9 Pfund teurer war, als mein Zeltplatz zwei Tage zuvor und mich dafür aber mit einem mehr als ordentlichem Frühstück beglückte, war schnell gefunden.
Heute Abend war mir nach kulturellem Luxus. Ein Lichtspielhaus musste her und war schnell gefunden. Ich wollte unbedingt den Spike Lee-Film BlackkKlansman sehen. Ein nach einer realen Begebenheit erzählter Film, der davon handelt, dass ein afroamerikanischer Polizist den örtlichen KKK infiltriert. Phantastischer Grundplot, aber leider wirkte der Film insgesamt zu gestreckt. Die Verknüpfungen zur Gegenwart („Make America great again“) waren nicht so übel, aber 90 statt 136 Minuten hätten vermutlich einen besseren Film ergeben. Und dann habe ich noch nicht mal Popcorn bekommen. Trotzdem war es eine schöne Abwechslung.

Kein spektakulärer Tag, daher bekommt er den beliebten Sei-Dankbar-Für-Den-Alltag-Award!

 

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